14.11.2015, 16:25 Uhr  

Eisbahn Gunzenhausen - Kostenfalle und/oder ökologischer Wahnsinn?

Gunzenhausen - Auch in 2015 soll der mit intensiven Werbemaßnahmen gepushten Eisbahn zum Erfolg verholfen werden.

Es steht allerdings auch für die Eisbahn 2015 fest, dass nach den bisherigen Erkenntnissen des Ersten Bürgermeisters Liebling "Eisbahn" aus öffentlicher Hand noch mehr Geld zugeschossen werden muss.

War die Eisbahn im vergangenen Jahr 2014 noch als Einzigartigkeit für Gunzenhausen stark beworben worden, so hält sich dies in 2015 in Grenzen. Die Stadt ist damit wohl weit weg von einem Dauerbrenner "Eisbahn" Gunzenhausen.

Bitte lesen Sie auch die Kommentare zur Eisbahn!

 

(fa)

 Kommentar vom 15.11.2015, 13:00
„Eisbahn am Marktplatz: Besser- und teuer“
Leserbrief zum Artikel im Altmühl-Boten „Eisbahn am Marktplatz: Besser- und teuer“ zur zweiten Auflage der Eisbahn am 7. November 2015

Auch dieses Jahr dürfen sich die Bürger/-innen über ein kostspieliges und ökologisch verwerfliches Freizeitvergnügen am Marktplatz freuen. Die neue Kostenverteilung ist jedoch sehr fraglich. Die Endabrechnung der letzten Eisbahn wurde am 14. Februar 2015 im Altmühl-Boten publiziert. Dabei stellte sich heraus, dass letztendlich Gesamtkosten i.H.v. 102 000 € entstanden sind. Dem Gegenüber standen Einnahmen durch Eintrittsgelder und Sponsoren von lediglich 52.800 €. In diesem Jahr ist die Rede von allein 60.000 € Einnahmen nur durch Eintrittsgelder. Da mir leider keine Schlüsselung der 52.800 € vorliegt, treffe ich eine Abschätzung durch Mittelung der Eintrittspreise und der Anzahl der 6.500 zahlenden Gäste. Damit müssten im Vorjahr etwa 30.000 € allein durch Eintrittsgelder eingenommen worden sein. Dieses Jahr sollen jedoch durch Eintrittsgelder 60.000 € erwirtschaftet werden, was eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Doch aus welchem Grund? Durch die 50 Cent-Preiserhöhung?

Schon im Vorjahr war von geplanten Investitionskosten i.H.v. 60 000 € die Rede, wovon 20 000 € die Stadt zuschießen wollte. Letztlich beliefen sich die Kosten dann doch auf 102 000 €, wovon die Stadt 50 000 € zu tragen hatte. Dieses Jahr liegen die geschätzten Gesamtkosten zwar bei knapp 100 000 €, doch die Stadt rechnet trotz der höheren Investitionssumme wieder mit nur 20 000 € Beteiligung. Wie kann das gehen?

Nur zum Vergleich: Im Haushalt der Stadt ist verzeichnet, dass alle Sportvereine für die jährliche Sportförderung ca. 55 000 € erhalten. Mit diesem Geld wird sinnvolle Jugendarbeit betrieben, das Vereinsleben aufrechterhalten und die breite Masse der Bevölkerung angesprochen. Hingegen mit der Eisbahn eine Wirtschaftsförderung betrieben und gerade einmal 6500 Gäste angesprochen wird. Wären die 50.000 € Defizit nicht deutlich besser bei den Vereinen aufgehoben?

Zudem möchte ich die Aussage „Die Straßenbeleuchtung in Gunzenhausen koste etwa das Zehnfache und darüber wird überhaupt nicht diskutiert“ relativieren. Die Straßenbeleuchtung dient nach dem Bayerischen Straßen- und Wegegesetz zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Damit ist die Straßenbeleuchtung kein Freizeitvergnügen und steht in diesem Zusammenhang überhaupt nicht zur Debatte. Für mich ist das ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. Zudem ist aus der Presse bekannt, dass die Stadt sukzessive die Beleuchtung auf LED umrüsten möchte, um damit Energie einzusparen, was auch dem Klimaschutz dient.

Apropos Klimaschutz. Erst letzte Wochen konnte ich aus der Zeitung entnehmen, dass das Stadtradeln – unterstützt vom Klimaschutzbündnis – wieder ein voller Erfolg war. Ganze 17.000 kg CO2 wurden durch 535 fleißige Teilnehmer innerhalb eines Monats eingespart. Die Eisbahn hat letztes Jahr bei kühlen Temperaturen 18.300 kWh Strom verbraucht, was beim aktuellen Kraftwerksmix rund 11.000 kg CO2 entspricht. Somit war das Stadtradeln eigentlich für die „Katz“. Ich frage mich, warum sich nicht die Agenda-21-Gruppe endlich in diese Diskussion einmischt. Ihrem Flyer ist zu entnehmen, dass sie sich mit dem Klimaschutz und der ökologisch orientierten Wirtschaft beschäftigt. Ein Aufschrei wäre wünschenswert.

Die Eisbahn als Werbeobjekt hin oder her. Die Stadt Gunzenhausen hat den Luxus, einen eigenen See vor der Haustüre zu haben, der ganz ohne Strom einfriert und sowohl für die Stadt als auch für Schlittschuhbegeisterte völlig kostenlos zur Verfügung steht. Nicht nur jeder Einzelne hat einen Betrag zum Klimaschutz zu tragen, sondern auch die Stadt Gunzenhausen!

Michael Winter, M.Sc. Energietechnik, Unterwurmbach

 Kommentar vom 01.05.2015, 14:12
„Stadtrat wartet nicht auf sicheres Solo“
Leserbrief zum Artikel im Altmühl-Boten „Stadtrat wartet nicht auf sicheres Solo“, vom 07.08.14 zur Aufstellung einer Eisbahn auf den Marktplatz.

Es stellt sich die Frage, welchen Weg die Stadt Gunzenhausen in puncto Klimaschutz gehen möchte. Es werden Maßnahmen ergriffen, wie die Umrüstung der Straßenbeleuchtung mit  energiesparenden LED-Lampen; es werden städtischen Gebäude energieeffizient saniert; es werden Investitionen im Bau von regenerativen Energieanlagen, wie beispielsweise Photovoltaik oder Windkraft getätigt und nicht zu vergessen, dass alljährliche Stadtradeln des Klimabündnisses. Hier wird sogar auf der Homepage geworben, dass ein jeder sein CO2 produzierendes Auto stehen lassen und den Weg lieber mit dem Fahrrad zurücklegen soll. 11,4 Tonnen CO2 wurden somit letztes Jahr eingespart. Vor zwei Jahren engagierte sich sogar ein Stadtrat drei Wochen ohne Auto auszukommen. Die Agenda21-Gruppe von Gunzenhausen steht u.a. für Nachhaltigkeit und veranstaltet auf dem Marktplatz Informationstage beispielsweise über das energiesparende Autofahren. All das wird mit dem Projekt Eisbahn in den Schatten gestellt. Auf einmal legt man keinen Wert mehr auf Klimaschutz! Warum? Hat man doch zuvor immer auf eine CO2 Reduktion plädiert. Weiter ist die Idee einer Eisbahn nicht als purer Luxus zu deklarieren sondern in der heutigen Zeit eher als ökologischer Wahnsinn. Es kann außerdem kein Vergleich mit einer Weihnachtsbeleuchtung gezogen werden. Diese verbraucht deutlich weniger als 10000 kWh in der Woche und wird nur wenige Stunden am Tag betrieben.   

Zudem kann Gunzenhausen nicht wie anfangs mit einer Stadt wie Erlangen verglichen werden. Die Bevölkerungsstruktur und -dichte unterscheidet sich maßgeblich und Erlangen kommt auch nicht in den Genuss eines eigenen Sees vor der Haustüre. Der bei winterlichen Temperaturen völlig kostenlos für Schlittschuhfahr-Begeisterte zur Verfügung steht und auch noch weitaus mehr Platz bietet. Weiter zweifel ich die Aussage an, dass Eltern ihre Kinder unbeaufsichtigt auf der Eisbahn fahren lassen und währenddessen seelenruhig in Gunzenhausen einkaufen gehen. Zudem sollte man bedenken, dass die meisten Eltern berufstätig sind und vor 17 Uhr ohnehin nicht zur Eisbahn gehen können. Dadurch wird die Verweilzeit zum Einkaufen in der Stadt deutlich reduziert.

Bei einer meist leeren Haushaltskasse könnten 60 000 Euro weit sinnvoller eigesetzt werden als in den Betrieb einer Eisbahn. Zu guter Letzt frage ich die Stadträte, die für die Eisbahn gestimmt haben, ob sie privat einen geöffneten Gefrierschrank 24 Stunden am Tag im Freien laufen lassen würden.

Michael Winter, Student der Energietechnik